ATLANTEAN KODEX



Mit „The White Goddess“ erobern die Bayern von ATLANTEAN KODEX derzeit die Metalwelt im Sturm. War schon der Vorgänger „The Golden Bough“ bärenstark, gelingt es mit dem neuem Werk noch eins drauf zu setzen. Grund genug bei der Band mal genauer nachzufragen. Dieses Interview führten Sänger Markus von ATLANTEAN KODEX und Chris von Rock Garage am 07.11.2013.


RG: Hi Markus. Herzlichen Glückwunsch zu dem überwältigenden Erfolg von „The White Goddess“, die es sogar in die Charts auf Platz 65 geschafft hat! 

Markus: Vielen Dank. Den Chart-Einstieg haben wir selber noch gar nicht richtig verdaut, das kam natürlich aus heiterem Himmel und du kannst Dir unsere Überraschung vorstellen. Bei allen positiven Kritiken und Reaktionen zum neuen Album hätten wir damit nun wirklich nicht gerechnet. Aber ist ein tolles Gefühl, keine Frage.

RG: Euer Debüt „The Golden Bough“ hat euch ja bereits sehr positive Resonanz eingebracht, habt ihr mit den aktuellen Kritiken gerechnet oder überraschen sie selbst euch? Egal ob man in die Printmedien schaut oder die Webzines abklappert, überall erhält „The White Goddess“ Höchstnoten und wird bereits, in meinen Augen völlig zu Recht, als kommender Klassiker gefeiert. 

Markus: Mit so etwas zu rechnen wäre natürlich anmaßend gewesen. Nein, wir wollten zunächst einmal einen Nachfolger für The Golden Bough produzieren, der unserem eigenen Anspruch gerecht werden sollte. Dieser war schlicht dass wir selber das Gefühl haben wollten, dass die Songs mit denen auf TGB zumindest auf Augenhöhe, wenn möglich sogar noch etwas besser sein sollten. Die Maßgabe war, dass wir nur dann überhaupt etwas neues veröffentlichen wollten, wenn wir selber das Gefühl hatten, dass uns das gelungen sein könnte. Als die Platte im Kasten war kam die Phase des Hoffens und Bangens bezüglich der Reaktion des Publikums. Diese kann man als Band nicht vorher sehen, da einem die Objektivität im Laufe einer Produktion völlig flöten geht. Wir hatten zwar ein gutes Bauchgefühl, aber es hätte ja dennoch sein können, dass unsere Selbsteinschätzung in den Augen der Kritiker und Fans völlig daneben lag. Ist natürlich um so toller, dass dies nicht der Fall war und wir überwiegend äußerst positive Reaktionen erfahren haben. Das gibt einem dann schon zusätzlich Befriedigung, wenn man nicht nur sich selbst sondern auch „die Zielgruppe“ begeistern kann.

RG: Stell doch bitte die Musiker kurz vor und gib uns einen kurzen Abriss der Geschichte von ATLANTEAN KODEX.

Markus: Manuel (Gitarre) darf man getrost als Chef der Band bezeichnen. Er schreibt die meisten Songs und Lyrics und hat die Band zusammen mit Bassist Florian im Jahr 2005 gegründet. Die beiden kannten sich schon seit der Krabbelgruppe und hatten schon vorher gemeinsam musiziert. Als nächstes wurde ich Ende 2006 als Sänger rekrutiert, nachdem die Zusammenarbeit mit dem ursprünglichen Sänger (Phil Swanson) aufgrund der räumlichen Distanz aufgegeben werden musste. Mit ihm hatte man 2006 noch die Split 12“ mit Vestal Claret veröffentlicht. 2007 wurden dann die Pnakotic Demos eingespielt (mit einem Session Drummer), und kurz darauf wurde unser heutiger Schlagzeuger Mario angeheuert. Da er hauptsächlich aus der Death- und Black Metal Szene kommt bedurfte es zunächst einiger Überredungskunst, aber er ist heute einer der Songwriter bei AK und mit Herz und Seele dabei. Er ist auch ein musikalischer Tausendsassa und von ihm stammt z.B. das Klavier-Outro auf TWG. Im Jahr 2007 (oder war es 2008) stieß dann noch der neben mir zweite Franke zur Band, Lead-Gitarrist Michael. Auch er war natürlich schon in einigen anderen Bands der lokalen Szene aktiv, bevor er zu AK stieß. Wir alle sind seit vielen Jahren Metal Fans, bei mir fing alles ungefähr Mitte 1984 an, als mir ein Schulkamerad The Number Of The Beast auslieh. Damit war es musikalisch um mich geschehen, der Pakt mit dem Teufel war geschlossen.

RG: Kommen wir wieder zurück zu „The White Goddess“. Wie lange dauert es ein solches Werk einzuspielen? Wie seid ihr die Sache angegangen?

Markus: Wir haben uns (wie immer) sehr viel Zeit gelassen, was einer der Vorteile ist, wenn du unabhängig arbeiten kannst, und dir niemand vorschreibt wann du etwas abzuliefern hast. Die Herangehensweise war allerdings etwas anders als bei TGB, wo vieles was dort zu hören ist tatsächlich recht spontan im Studio entstanden ist. Bei TWG haben wir zunächst Demos produziert und an den Songs und dem Gesamtkonzept gefeilt bis uns alles 100%ig zugesagt hat. Einige Songs wurden auch wieder eliminiert, weil sie nicht zu Stimmung der übrigen Lieder passten. Andere wurden mehrfach umgebaut und überarbeitet, bis sie fertig eingespielt waren. Insgesamt hat der Prozess ungefähr 2 Jahre gedauert, wobei wir natürlich auch längere kreative Pausen eingelegt haben. Wir können eben auch nur dann an den Dingen arbeiten, wenn unser Privatleben im nicht-metallischen Paralleluniversum es zeitlich zulässt

RG: Als Einflüsse werden immer wieder Bands wie Manowar, Bathory oder Candlemass genannt.  Ehren euch diese Vergleiche oder seht ihr euch selbst losgelöst von Schubladen und Einflüssen? 

Markus: Nein, wir gehören definitiv in die Schublade Heavy Metal und in der Nähe der genannten Bands einsortiert. Das geschieht zum Teil bewusst, zum Teil werden solche Vergleiche auch von außen bemüht, was uns natürlich ehrt, teilweise aber auch etwas irreführend ist. So klingen wir meiner Meinung nach wirklich nur noch sehr bedingt nach Manowar. Klar, es gibt einige Parallelen beim Riffing und der generellen Stimmung zu den frühen Manowar. Aber insgesamt denke ich doch dass wir unseren eigenen Stil gefunden haben, der zwar durch die genannten Bands (und noch viele andere) beeinflusst ist aber nicht unbedingt stark nach ihnen klingt. Wahrscheinlich ist das ein Punkt der uns in Augen vieler von der Masse der Bands abhebt, nämlich dass es einfach nicht allzu viele Bands in genau dieser Schublade gibt. Es gibt tausende von Thrash Bands, oder auch sehr viele „Junge Wilde“ Metal Bands, die dann aber unterm Strich doch alle sehr ähnlich klingen. Viele eifern z.B. Mercyful Fate nach. Es gibt allerdings recht wenige, die sich bewusst auf einen Mix aus frühen Manowar und epischen Bathory beziehen, vielleicht deswegen, weil dieser Stil natürlich auch eine Gratwanderung am Rand der Peinlichkeit sein kann.

RG: Ihr legt großen Wert auf bodenständigen, klassischen Sound, eure Songs sind tief im traditionellen Metal verwurzelt und nehmen sich die Zeit zur Entfaltung. Begriffe wie „Oldschool“, „True“ und „Underground“ fallen gerne in diesem Zusammenhang. Wie steht ihr zu diesen Schlagwörtern?

Markus: Wie wir dazu stehen? Hmm, ich würde sagen wir sind eine ziemlich old-schoolige Underground-True-Metal Band, haha ... Das trifft schon alles zu und wir wollen es ja genau so. Manuel hat unseren Stil ja auch als „Regressive Metal“ bezeichnet. Wir überlassen die sogenannte Innovation und das „Moderne“ im Metal gerne anderen. Wir sind Fans des 80er Sounds, egal ob True, Thrash, Power, Doom, Black, usw., und wir beziehen uns ganz bewusst auf dessen traditionelle Klänge, Inhalte und Werte.

RG: In euren Texten findet sich immer mal ein Augenzwinkern und etwas Selbstironie, etwa in „Atlantean Kodex“ mit Zeilen wie „Kneel before - Atlantean Kodex, Bow your head - Atlantean Kodex“. Oder sehe ich das falsch?

Markus: Das siehst du völlig richtig. Auch wenn unsere Texte natürlich sehr ernst und inhaltsschwer daher kommen – was ja auch so gewollt ist – so sitzen wir bei unseren Bandproben nicht in der Fell-Unterhose vor dem Kamin und lesen uns Frazer oder Graves vor. Bier trinken, laute Musik machen und Spaß dabei haben stehen da doch eher im Vordergrund. Und mal ehrlich: wenn dir die nötige Portion Selbstironie bei dieser Art von Musik fehlt, dann endest du halt wie Joey, und das braucht wirklich kein Mensch.

RG: Als großer Lovecraft und Cthulhu Fan sind mir ein paar Anspielungen aufgefallen: euer Demo deutet auf die Pnakotischen Fragmente hin (ein fiktives Buch aus dem Cthulhu-Mythos, ähnlich dem Necronomicon), auf euren „Annihilation of …“ Tour Shirts findet sich ein Elder Sign (Schutzzeichen aus dem Cthulhu-Mythos). Auch der Bandname hat cthuloide Schwingungen. Sind das nur kleine Spielereien für Insider oder inspiriert euch Lovecraft stärker? Können wir zukünftig gar auf ein Album um den Mythos hoffen?

Markus: Das wäre eine Frage an Manuel. Klar haben wir – besonders am Anfang – viel Bezug auf Lovecraft genommen. „The White Ship“ auf dem Demo wurde sehr stark von einer seiner Kurzgeschichten inspiriert. Ich hätte zwar schon Lust drauf ein reines „Lovecraft-Album“ zu machen, und ich weiß dass es Mario als großem Lovecraft-Fan genauso geht. Allerdings habe ich auch das Gefühl dass die ganze Cthulhu-Geschichte in letzter Zeit auch immer hipper wird, und dass die Sache dadurch schon fast wieder uninteressant für uns wird. 

RG: Lyrisch greift ihr komplexe Themen auf. Neben Einflüssen von Lovecraft oder auch Tolkien, war „The Golden Bough“ etwa von „Der goldene Zweig. Eine Studie über Magie und Religion“ des schottischen Anthropologen James George Frazer inspiriert. Woher kommen diese Ideen und welches Konzept steht hinter „The White Goddess“?

Markus: Das Album wirft unterschiedliche Schlaglichter auf das Thema Tod und Wiedergeburt. Einmal in einer sehr persönlichen Perspektive, wie bei „White Goddess unveiled“. Ein anderes Mal bezogen auf Zivilisationen, wie bei „Azure Gown“ oder „Enthroned“. Die weiße Göttin als mythische Figur des Todes und des Lebens steht als Allegorie für dieses Leitthema.

RG: Wie gelingt es euch, die Komplexität und Soundgewalt von ATLANTEAN KODEX live umzusetzen?

Markus: Nun ja, live klingen wir schon anders als auf Vinyl, etwas rauer und dreckiger. Live geht es halt mehr darum dass das Publikum und auch wir selbst eine gute Zeit beim Headbangen und Mitsingen haben, da kommt es nicht ganz so auf die Details an. Ich bin kein Freund davon live großartig mit Samples und dergleichen zu arbeiten. Atmosphäre lässt sich auch durch Intensität erzeugen, man braucht nicht unbedingt Windgeheul vom Band.

RG: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Ich freue mich schon sehr, euch im Januar in Erlangen live erleben zu können. Die letzten Worte an unsere Leser gehören natürlich Dir. 

Markus: Danke an alle die uns und unsere Labels unterstützen. You are the Kodex, you are invincible! Wir hoffen möglichst viele von Euch bei unseren anstehenden Gigs beim Hell Over Hammaburg, German Swordbrothers, Keep It True Festival etc. zu sehen. Und hört mehr Druderer!

Chris

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