MIDNITE SKY


Unverhofft kommt oft, so auch bei der neuen Scheibe der schwäbischen Melodic Rocker MIDNITE SKY, die nach fast 10 Jahren endlich ihr zweites Album vorlegen. Wir hatten die Gelegenheit, Sänger und Sprachrohr Holger Blickle mal etwas auf den Zahn zu fühlen, was ein mehr als angenehmes und angeregtes Gespräch nach sich zog – hier könnt Ihr alle Infos zum neuen Album und einiges mehr nachlesen:

S.T.: Es war sehr lange ruhig um MIDNITE SKY. Was war denn da los?

H.B.: Also wir haben ja 2004 unser Debüt „Rock The Planet“ aufgenommen und hatten damals auch einen Plattenvertrag. Da hätte es eigentlich richtig schön losgehen sollen aber die Plattenfirma hat uns nicht wirklich unterstützt. Das haben wir dann selbst in die Hand genommen und nach dem langem Hin und Her waren wir auch etwas gefrustet, so dass es einige Zeit gedauert hat, bis wir wieder ein paar neue Songs aufgenommen haben. Zwischendrin wollten wir auch eine EP mit 6 Songs veröffentlichen, wovon uns aber abgeraten wurde. Wir haben dann nach einiger Zeit noch ein paar weitere Stücke aufgenommen und dann ging es ans Abmischen etc. Da ich mich da erst noch reinarbeiten musste, hat auch das etwas länger gedauert. Und dann ist es ja so, dass man hier und da noch was verfeinert und weil wir ja auch keinen Zeitdruck hatten, hat sich das sehr lange hingezogen.

S.T.: Angefangen hat Eure Karriere aber unter dem Namen ZARDOZ. Erzähl doch mal…

H.B.: Ja, ursprünglich haben wir 1989 unter dem Namen ZARDOZ in Ludwigsburg angefangen. Aber nachdem einige Mitglieder ausgestiegen sind war ich noch das letzte verbleibende Originalmitglied. Irgendwann hat sich dann die jetzige Besetzung zusammengefunden und dann hatten wir das Angebot von einer Plattenfirma, eine CD zu produzieren. Da der Name aber von einem Science Fiction Film mit Sean Connery stammt haben wir direkt bei 20th Century Fox nachgefragt, ob wir weiterhin unter dem Namen firmieren können. Da kam natürlich prompt ein Nein und so mussten wir uns nach einem neuen Namen umsehen. Und da die ursprünglichen Mitglieder sowieso nicht mehr dabei waren, haben wir einen Neuanfang gemacht und uns den Namen MIDNITE SKY verpasst.

S.T.: Euer neues Album heißt „Blood, Sweat And A Little More“. Was ist denn mit dem „mehr“ im Titel gemeint?

H.B.: (lacht) Also der Titel kam einfach dadurch zustande, da wir über so lange Zeit unser Herzblut und natürlich viel Schweiß in die neue Scheibe gesteckt haben. Das „more“ steht für die ganze Energie, die Power und die Liebe, die natürlich auch mit drinsteckt. Als wir nach einem Cover gesucht haben sind wir genau auf dieses Motiv gestoßen. Die Zahnrädern mit dem Blut und dem Schweiß - das hat genau die ganzen Jahre wiedergespiegelt. Wir haben uns daraufhin mit dem Urheber in Verbindung gesetzt und ihm erklärt, dass wir sein Motiv sehr gerne für unsere neue Platte verwenden würden. Er war sofort begeistert und hat sich riesig gefreut. Und da er seit langem Hardrockfan ist hat das einfach gepasst. Übrigens lebt er in Kanada und wir sind sehr froh, dass wir sein Motiv verwenden durften. Er ist echt ein supernetter Typ. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an Kendal McNeil.

S.T.: Wie sind denn die Reaktionen auf die neue Scheibe bisher?

H.B.: Ja, da gibt’s so ein Magazin…Rock Garage, die haben super reagiert (lacht). Nein im Ernst, bisher sind die Reaktionen alle sehr positiv, wir hatten schon viele Anfragen z.B. aus Brasilien, Argentinien, Frankreich, Belgien, Holland, England oder den USA. Auch unser Facebook Account wächst ständig und auch darüber bekommen wir sehr viel Lob. Wir haben auch sehr viele gute Kritiken bekommen, da freut man sich natürlich. Wir warten jetzt nur noch auf den ersten Verriss (lacht). Aber man kann es auch nicht jedem recht machen. Wir sind alle in den 80ern aufgewachsen und wir lieben Bands wie DOKKEN, BON JOVI, KISS, PRETTY MAIDS, WHITESNAKE oder RATT – das ist unser Leben und das ist das, was wir einfach am besten können. Wenn wir auf die Bühne gehen, haben wir Spaß mit der Musik und das ist alles was zählt.

S.T.: Wie sieht denn eine klassische Songwriting Session bei MIDNITE SKY aus? Sitzt Ihr da ganz klischeehaft im versifften Proberaum  und brütet bei Kippen und viel Bier über Euren Ideen oder wie kann man sich das vorstellen?

H.B.: (lacht) das ist ganz unterschiedlich. Entweder hat unser Gitarrist irgendein Riff, das wir ausprobieren oder ich hab oft eine Melodie im Kopf und unser Gitarrist legt dann was drunter. Dann nehmen wir alles instrumentale auf, anschließend nehme ich die Aufnahmen meistens mit ins Studio in dem ich arbeite und dort singe ich dann meine Linien ein. Danach wird alles noch weiter ausgearbeitet und verfeinert und so entstehen dann die Songs. Manchmal bauen wir einen Song auch noch komplett um. Einer unserer ganz neuen Songs z.B. war relativ zügig und das hat nicht so ganz gepasst. Jetzt haben wir einen richtigen Groover daraus gemacht und ein gutes Gefühl dabei.


S.T.: Reden wir mal über Eure Texte – welche Themen sind Euch da wichtig?

H.B.: Also die Texte schreibe alle ich und ich hab meistens einen Refrain im Kopf, um den ich dann eine Story entwickle. Oft passiert auch was im persönlichen Umfeld über das man schreiben kann. Ein gutes Beispiel ist auch „Where Are The Angels“: manchmal hat man so Phasen wo alles schief geht und dann fragt man sich einfach, wo die Engel sind, die Dich aus dieser Scheiße wieder herausziehen. Auf dieses Stück haben wir auch schon viele positive Reaktionen bekommen, weil es den Leuten aus der Seele spricht. Aber wir sind keine politische Band, bei uns geht´s um Party und die Liebe, einfach das, was jeder nachempfinden kann.

S.T.: Ich habe mal in einem alten Interview von 2004 gelesen, dass Ihr auf der Suche nach einem zweiten Gitarristen wart. Habt Ihr das mittlerweile aufgegeben? Der Stefan ist ja momentan oder immer noch Euer einziger Gitarerro…

H.B.: Wir hatten ja damals beim ersten Album noch den Christoph Renner der ja mittlerweile mit den NASTY BULLETZ unterwegs ist, aber das Problem war einfach, dass er zu weit weg gewohnt hat. Danach hatten wir noch ein paar weitere Gitarristen, aber daraus ist nichts festes geworden. Die andere Seite ist natürlich, dass wir Musik machen, die alles andere als angesagt ist und da ist es ziemlich schwierig, die richtigen Leute aus der Umgebung zu finden. Live fehlt halt eine zweite Gitarre und wir suchen auch aktuell noch, wenn sich also wer angesprochen fühlt und aus der Nähe von Stuttgart kommt, darf er sich gerne melden.

S.T.: Im gleichen Zuge hattest Du gesagt, dass man MIDNITE SKY auf der Bühne erleben muss, wo gefällt es Euch denn besser – im Studio oder auf der Bühne?

H.B.: Ganz klar auf der Bühne! Da bekommst Du sofort die Reaktion von den Leuten und wir versuchen unser Publikum mitzureißen. Ich gehe auch oft direkt runter und versuche mit den Leuten in Kontakt zu kommen, das macht einfach viel mehr Spaß als wenn Du nur auf der Bühne Dein Programm abspulst und die Leute als Statisten siehst. Also einfach mal vorbeikommen ein Konzert von uns genießen…

S.T.: Ihr habt ja auch schon auf einigen Festivals gespielt. Unter anderem auf dem ROCK OF AGES und dem DEEP IMPACT in München, das noch dazu buchstäblich ins Wasser fiel. Was waren denn da Eure Highlights?

H.B.: Die beiden waren schon unsere Highlights. Speziell das DEEP IMPACT, da war ja die Creme de la Creme mit Bands wie KINGDOM COME, FATE, PRIMAL FEAR, TNT oder GOTTHARD vertreten, also auch einige unserer Heroes. Und die dann alle Backstage zu treffen und mit ihnen zu reden war schon super. Ein Jahr später auf dem ROCK OF AGES in Seebronn mussten wir schon mittags auf die Bühne. Aber alleine die Größe der Bühne war beeindruckend und danach natürlich die Bands kennenzulernen ist immer eine tolle Sache. Aber wir haben u.a. auch mit BONFIRE gespielt oder mit URIAH HEEP in der Schweiz, das war auch ganz fein.

S.T.: Eure Musik orientiert sich ja an den 80ern. Wäre es Dir persönlich lieber, wenn wir gerade das Jahr 1985 schreiben würden?

H.B.: Ja, vielleicht lieber 86 oder 87 wo dann Bands wie BON JOVI oder WHITESNAKE so richtig durch die Decke geschossen sind. Auch wir hätten es sicher viel einfacher weil die Zielgruppe einfach größer war.

S.T: Wobei die Zeit als Euer erstes Album 2004 herauskam ja noch schwieriger war als jetzt, ich denke, der Trend ist mittlerweile doch wieder etwas positiver oder?

H.B.: Damals waren wir fast die einzigen die solche Musik gemacht haben. Die meisten anderen haben irgendwelche Trends angebiedert und härtere Sachen gemacht. Aber wir mögen einfach die Melodien und Songs, bei denen man auch live direkt mitsingen kann. Wir hatten ja bei ZARDOZ mal ne Zeit, in der wir etwas progressiver unterwegs waren, da kommt einfach keine Stimmung auf bei den Konzerten.

S.T.: Du machst ja vieles selbst: angefangen von grafischen Dingen bis hin zur Vermarktung sowie der Produktion läuft alles durch Deine Hände. Ist das eher Fluch oder Segen für Dich?

H.B.: Eigentlich beides. Zum einen ist es halt so, wenn Du alles selber machst wirst Du halt nicht von der Plattenfirma hermetisch abgeriegelt und man hat mehr persönlichen Kontakt zu den Fans etc. Natürlich hast Du auch den kompletten Überblick über die finanziellen Geschichten. Aber es geht auch sehr viel Freizeit drauf und es steckt viel harte Arbeit dahinter, weil sich alles um die Band dreht. Aber letztendlich ist alles genau so wie Du es möchtest und niemand redet rein. Das ist natürlich das Positive daran.

S.T.: Es gibt ja auch den Trend dazu, sich die Produktionskosten vorfinanzieren zu lassen. z.B. auf Plattformen wie Pledgemusic. Was hältst Du davon und wäre das eine mögliche Alternative für das nächste Album?

H.B.: Ich habe mich damit schon eingehend beschäftigt für dieses Album. Aber wir haben befürchtet, dass in unserer Richtung einfach zu wenig Leute dazu zu bewegen sind, Dir vorab Geld zu geben um dann irgendwann ein fertiges Album in der Hand zu halten. Wir haben es dann auf eigene Faust durchgezogen aber letztendlich ist es eine schöne Variante. Vielleicht probieren wir es beim nächsten Mal aus wenn wir unseren Bekanntheitsgrad gesteigert haben. Aber wir sind echt überrascht, was über Facebook machbar ist. Wir haben so viele neue Kontakte darüber geknüpft und wir bekommen immer neue positive Rückmeldungen darüber, was uns echt sehr freut.

S.T.: Unter Deinen Lieblingsbands stehen u.a. auch MÖTLEY CRÜE. Was sagst Du eigentlich dazu, dass die Herrschaften unlängst ihre Abschiedstournee für 2014/2015 bekanntgegeben haben?

H.B.: (lacht) wenn ich ehrlich bin hat mich das etwas überrascht. Aber momentan ist es ja modern, die letzte Tour anzukündigen. Was dann im Endeffekt daraus wird, wenn man nach 3 Jahren auf Abschiedstour feststellt, dass es ja doch schön war. Ich denke nicht, dass es wirklich die letzte Tour sein wird.

S.T.: Kommen wir zurück zu Euch. Wie sieht die Zukunft für MIDNITE SKY aus? Hoffentlich müssen wir nicht wieder fast 10 Jahre auf eine neue CD warten…

H.B.: Das hoffe ich auch (lacht). Wir haben schon einige neue Songs fertig, aber natürlich steht jetzt mal die Promotion der aktuellen Scheibe im Vordergrund. Dann wollen wir natürlich einige Konzerte spielen und unseren Bekanntheitsgrad steigern. Aber vielleicht können wir schon Ende des Jahres wieder ins Studio gehen und mit den Aufnahmen starten.

S.T.: Und natürlich gibt es noch die berühmten letzten Worte, die gehören natürlich Dir!

H.B.: Wir freuen uns über die tolle Resonanz und hoffen, dass Euch die CD gefällt. Wir freuen uns über jede E-Mail oder über Posts bei Facebook – wir haben immer ein offenes Ohr für Euch. Und es würde uns sehr freuen, wenn Ihr mal auf einem unserer Konzerte vorbeischaut!

S.T.: Dem kann ich nicht viel hinzufügen…die CD gefällt (Rezi HIER) und ich hoffe, dass sich bald die Möglichkeit ergibt, MIDNITE SKY live zu erleben. Wir wünschen Euch viel Glück mit der neuen Platte und wünschen Euch alles Gute für die Zukunft!


Stefan

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